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Neue Kulturen brauchen auch einen Markt

Neue pflanzliche Kulturen werden immer wieder als Chance für die Schweizer Landwirtschaft genannt. Doch zwischen einer interessanten Kultur und einer wirtschaftlich tragfähigen Produktion liegt ein langer Weg. Das Beispiel Quinoa zeigt, dass dafür die gesamte Wertschöpfungskette funktionieren muss.
15.09.2026

Neue pflanzliche Kulturen: Vom Anbau allein entsteht noch kein Markt

Mehr pflanzliche Lebensmittel aus Schweizer Produktion, diese Forderung ist schnell gestellt. Für Landwirtschaftsbetriebe ist die Umsetzung jedoch wesentlich komplexer. Neue Kulturen müssen nicht nur unter Schweizer Bedingungen erfolgreich angebaut werden können, sondern sich für die Produzentinnen und Produzenten am Ende auch wirtschaftlich rechnen.

Wie schwierig dies sein kann, zeigt ein aktueller Beitrag des Landwirtschaftlichen Informationsdienstes (LID) am Beispiel Quinoa. Nach einem anfänglichen Boom ist die Schweizer Produktion stark zurückgegangen. Dabei ist Quinoa aus agronomischer Sicht durchaus interessant und kann beispielsweise die Fruchtfolge erweitern.

Die Herausforderungen beginnen jedoch bereits auf dem Feld. Standort und Saatbett müssen stimmen, die Unkrautregulierung ist aufwendig und die Erträge können stark schwanken. Hinzu kommen besondere Anforderungen an Ernte, Trocknung, Reinigung und Verarbeitung.

 

Die ganze Wertschöpfungskette muss mitwachsen

Gerade bei neuen Kulturen entsteht schnell ein Huhn-Ei-Problem: Ohne genügend Anbaufläche lohnt sich der Aufbau spezialisierter Verarbeitungs- und Vermarktungsstrukturen kaum. Fehlen diese Strukturen, bleiben wiederum die Kosten hoch und der Anbau für die Landwirtschaft wenig attraktiv.

Am Ende entscheidet zudem der Markt. Schweizer Produzentinnen und Produzenten stehen mit ihren Produkten häufig in direkter Konkurrenz zu wesentlich günstigerer Importware. Die höheren Produktionskosten und Risiken müssen jedoch über einen entsprechenden Produzentenpreis abgegolten werden.

Das Beispiel zeigt: Wer mehr pflanzliche Lebensmittel aus Schweizer Produktion möchte, muss die gesamte Kette betrachten. Es genügt nicht, neue Kulturen auf den Feldern zu fordern. Landwirtschaft, Verarbeitung, Handel, Gastronomie und Konsum müssen gemeinsam einen Markt entwickeln, der auch für die Produzenten wirtschaftlich funktioniert.

Neue Kulturen brauchen deshalb neben Pioniergeist auf den Landwirtschaftsbetrieben vor allem verlässliche Absatzmöglichkeiten und eine Wertschöpfung, die bei den Produzentinnen und Produzenten ankommt.

LID.ch

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